Inzwischen haben wir die ersten 14 Tage unserer Arbeit mit den Kids von Salaam Baalak Trust (SBT) erfolgreich hinter uns gebracht. Grund genug unsere Arbeit kurz zu umreißen und erste Ergebnisse zu präsentieren.
Unser erstes Projekt, an welchem wir an vier der fünf Arbeitstage arbeiten, ist ein Photokalender für das kommende Jahr. 2012, 12 Monate, 12 Bilder. So kurz, so easy. Der Kalender soll nach unserer Arbeit günstig gedruckt werden und anschließend bei den City-Walks an Touristen verkauft werden. Markting, Werbung und Umsatz in einem. Very nice!
Im Vorfeld mussten wir mit Ernüchterung feststellen, dass lediglich drei der insgesamt zwölf Kameras (immerhin digital) ihren anvertrauten Aufgaben nachkommen. Irgendetwas müssen gewisse Touris an “Donate your old camera” falsch verstanden haben. Vielleicht hat es der ein oder andere als letzten Ausweg gesehen, seine alte Schrott-Kamera „ordentlich“ loszuwerden ohne sie blindlinks auf die Straße pfeffern zu müssen. Mülleimer sind hier so selten wie sizilianische Müllberge in Deutschland.
Purer Luxus wäre es natürlich, wenn die drei Kameras tatsächlich auch immer funktionierten. Oftmals hilft aber ein beherzter Schlag, um das Objektiv aus seiner Höhle zu locken. Doch trotz allem geben wir Alles! Weniger Kameras, mehr Teamwork. Schon wieder etwas gelernt – oder zumindest erfolgreich schöngeredet.
Ein Thema für den Kalender haben wir im Übrigen gemeinsam mit den Kids (8 Jungs und 6 Mädels zwischen 15 und 19 Jahren) erarbeitet. Der Arbeitstitel könnte in etwa „Der Aufstieg mit Salaam Baalak“ heißen. Dabei es geht es darum, die ganz persönlichen Erfolgsgeschichten der Jugendlichen in 12 Monaten zu dokumentieren. Angefangen vom Leben auf der Straße über den Neubeginn bei SBT über die vielen Lernangebote der Organisation bis hin zu einem selbstständigen und eigenfinanzierten Leben. Das Endergebnis wird spätestens Anfang Oktober vorgestellt und natürlich auch hier zu sehen sein.
Phase I: Technische Grundlagen, theoretischer Background und erste Praxiserfahrung
Damit am Ende hoffentlich anständige Bilder rauskommen, mussten zunächst die absoluten Basics wie Kamera an/aus, Zoom oder Datenübertragung erklärt werden. Einige der Kids hatten das erste Mal in ihrem Leben eine Kamera in der Hand.
Unser Workshop gliedert sich fortan in drei Teile. Phototheorie, Praxisphase und Abschluss. Im Theorieteil versuchen wir Grundlagen wie Fluchtpunkte, Perspektiven oder das Auge für den Goldenen Schnitt zu vermitteln. Theorie zu Blende, Belichtungszeiten oder Tiefenschärfe bleibt uns dank der Steinzeitkameras zum Glück erspart.
Im Praxisteil, der meist 60 Minuten umfasst, stellen wir den Jungs und Mädels verschiedene Aufgaben und schicken sie anschließend auf Erkundungsjagd mit Kamera.
Aufgabe 1: Street Jobs.
Im Umfeld des „DMRC“ Shelter Homes befinden sich, wie überall sonst in Delhi auch, unzählige Menschen auf der Straße, die ihr täglich Brot verdienen. Obst- & Gemüsehändler, Rickshawfahrer, Barbiere, Tankwärte und viele mehr. Ziel der ersten Praxisaufgabe war es also, die unterschiedlichen Menschen und deren Berufe photojournalistisch zu dokumentieren. Dabei sollte im besten Falle die Theorie aus Teil 1 angewendet werden.
Äußerst sehenswerten Aufnahmen, wie ich finde.
Aufgabe 2: Smiling Faces.
In der zweiten Praxisphase sollten unsere Nachwuchs-Newtons durch das Shelter Home ziehen und andere Jungs portraitieren. Idealerweise sogar mit einem Lächeln auf den Lippen. Fundamentale Voraussetzung für gelungene Bilder in Indien ist die Kommunikation von Fotograf und Subjekt. Bei inszenierten Bildern steht sonst so manch einer Türstehermäßig und/oder Stocksteif da. Not so nice!
Auch dieses Mal können sich die Ergebnisse durchaus sehen lassen.
Phase II und III: Kalender Photos und Nachbearbeitung
Noch in dieser Woche müssen wir mit dem Zeitteufel im Nacken mit der Kalenderidee beginnen und uns auf Motive einigen. Anschließend ziehen wir gemeinsam los, drücken genau 12-mal auf den Auslöser und fertig ist die Laube. Ob es tatsächlich so einfach sein wird, gibt es in einigen Wochen hier zu lesen.
Im allerletzten Schritt optimieren wir die Bilder, fügen sie in den Kalender ein und geben das Ganze in den Druck. Wenn alles reibungslos klappt, fresse ich einen indischen Besen. Weils so lecker war, gleich zwei. Hier noch einige Pics unseres Workshops. Beste und wärmste Grüße aus Delhi.







